Tante Anna lädt ein

Im Erdgeschoss des SeniorenWohnen St. Anna Sulzbach hat sich ein Treffpunkt für Generationen etabliert
Tante Anna
Tante Anna

Langweilig wird es Karsten Müller, Bettina Wagner und Claudia Chiaramonte nicht, wenn sie wie jeden Dienstag zusammen sitzen, um die anstehenden Aktionen in der „Tante Anna“ zu planen. In dem großen Mehrzweckraum im Erdgeschoss des 2016 eröffneten SeniorenWohnen St. Anna Sulzbach befinden sich eine gemütliche Sofa-Ecke, mehrere Tischgruppen, ein einladendes Bücherregal und Spielzeuge für Kinder. Im Herzen der Stadt ist hier ein Treffpunkt der Generationen entstanden.


Dienstags trifft sich das Planungsteam. Karsten Müller, der von Seiten des Caritasverbandes seit 17 Jahren Gemeinwesenarbeit betreibt, erzählt, dass der Name „Tante Anna“ ganz bewusst gewählt wurde: „Er soll Heimeligkeit suggerieren. Der Ort ist wie eine liebe Tante, die man gerne besucht.“ Drei Mal in der Woche gibt es nachmittags ein offenes Angebot mit Kaffee und Kuchen. Bewohner des SeniorenHauses und Bürger aus dem Quartier kommen zusammen, erzählen, tauschen sich aus. Zusätzlich finden Lesungen, Musik-Abende oder Film-Vorführungen statt, es gibt einen regelmäßigen Mutter-Kind-Kreis und ein Frauen-Frühstück.


Und mit der Einbindung von externen Gruppen wie dem Kneipp-Verein oder dem Seniorenbeirat ist der Quartiersgedanke vorbildlich umgesetzt. Aber das bedeutet natürlich auch einiges an Koordinationsaufwand. Claudia Chiaramonte ist seit dem 1. Januar die Ansprechpartnerin und immer vor Ort. „Die Lage in unmittelbarer Nähe zur Kirche und zum Kindergarten ist natürlich perfekt“, sagt die 42-Jährige Sozialarbeiterin. „Wir wollen uns in der Nachbarschaft bekannt machen und als Anlaufstelle anbieten.“ Dafür hat sie auch schon viele weitere Ideen: Für den Sommer plant sie ein Nachbarschaftsfest. „Und im Außenbereich wollen wir Hochbeete und Bänke aufstellen.“


Währenddessen erfüllt Kuchenduft den Raum. Angela Mehlig macht ihren Bundesfreiwilligendienst in der „Tante Anna“ und sorgt an den offenen Nachmittagen für das leibliche Wohl der Besucher. Heute hat die 20-Jährige einen Zitronen- und einen Rhabarberkuchen gebacken. Ab und zu kommen auch Kuchenspenden aus der Umgebung. „Viele Leute backen gerne, aber können allein keinen ganzen Kuchen essen. Dann bringen sie den Kuchen zu uns“, erklärt Karsten Müller die Idee. Dabei soll die Begegnungsstätte nicht etwa eine Konkurrenz zu bestehenden Geschäften werden. Daher gilt auch das Motto „Nimm, was Du brauchst, gib was Du kannst“. Und das Spendensystem funktioniert.


Gegen 15:30 Uhr kommen die ersten Gäste. „Das duftet aber gut“, sagt eine ältere Dame und stellt sich an den Tresen, um ein Stück Kuchen auszusuchen. Dazu gibt es einen Cappuccino. Sie setzt sich zu der Damen-Runde an den Tisch. Es sind Bewohnerinnen des betreuten Wohnens im 3. und 4. Obergeschoss des Hauses, die sich regelmäßig in der „Tante Anna“ treffen. Die älteste ist 94, die jüngste 67 Jahre alt. „Das ist praktisch“, sagt eine und meint die Lage direkt im Haus. „Da braucht man nicht mal eine Jacke anzuziehen, wenn man nachmittags aus der Wohnung geht.“


Der Treffpunkt der Generationen „Tante Anna“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Caritasverbandes für Saarbrücken und Umgebung e.V. und des Dekanats Saarbrücken in Zusammenarbeit mit der Caritas Trägergesellschaft Saarbrücken. Träger ist das Bistum Trier. Um die Arbeit zu koordinieren und zu planen, wurde ein Leitungsteam gegründet, bestehend aus der Pastoralreferentin Bettina Wagner, dem Einrichtungsleiter Michael Gries und Karsten Müller von der Gemeinwesenarbeit Sulzbach. „Hier lässt sich gut ausprobieren, wie eine Kirchengemeinde neue Wege gehen kann“, berichtet Karsten Müller. „Alles, was wir machen ist neu und eine Herausforderung. Wir müssen die Leute aus dem Stadtgebiet erstmal kennen lernen und mit unseren Angeboten ihr Vertrauen gewinnen. Das passiert nicht von heute auf morgen, sondern das ist ein Prozess.“ Er ist überzeugt, dass es wichtig ist, auch mit Kleinigkeiten Anreize zu schaffen.


An einem kleinen Tisch sitzen die Geschwister Timo und Lea-Sophie Backes und spielen Karten. Sobald ein neuer Gast kommt, springen sie auf und eilen zum Tresen. Dann bringen sie den bestellten Kaffee und Kuchen an die Tische. Sie gehören fast schon zum Inventar, wie Claudia Chiaramonte schmunzelnd erzählt, kommen fast jeden Tag nach der Schule und helfen mit. Und warum? „Weil es Spaß macht“, rufen sie im Chor. Die Organisatoren freuen sich über dieses gelebte Miteinander der Generationen. Und als „Belohnung“ für die tatkräftige Hilfe gibt es ein großes Glas Kakao und natürlich ein Stück frischen Kuchen.

 

(Der Bericht ist am 16. Mai 2017 in der "Saarbrücker Zeitung" erschienen)

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